Dienstag, 2. Juli 2019

Uristier Cup


Urisiter Cup 2019  an Bord der Black Nessi
28.06. - 30.06.2019

Am 28. Mai bekam ich von Pascal Marty per Mail die Einladung zu einer Regatta-Teilnahme am Urner See. Mit an Bord sind Pascal und Heinz Marty sowie der mehrfache Olympia Teilnehmer und Volvo Ocean Skipper Andreas Hanakamp als Steuermann. Neuzugang Matthias Eigenmann und meine Wenigkeit komplettieren die Crew.

Nach einem kurzen Blick in den Kalender und Abstimmung mit der Familie war klar, dass ich an dieser aussergewöhnlichen Regatta teilnehme. Nach wenigen Abstimmung-Mails freute ich mich auf ein Wochenende am Urner See.

Freitag 28. Juni war um 13:00 Uhr Treffpunkt beim Föhn Hafen in Brunnen. Als ich am Parkplatz ankam war Matthias Eigenmann bereits eingetroffen und sortierte seine Segelsachen. Nach einer kurzen Begrüssung war klar, wir würden uns blendend verstehen. Dann nahmen uns Heinz und Pascal Martin in Empfang.
Schwarz. Schmal. Schnell. So lag sie vor uns. Black Nessi. Und draussen am See - eine schöne Thermik. Nach einer kurzen Einweisung ging es bereits zu viert hinaus auf die Urner See. Um Nessi kennenzulernen, diverse Manöver zu trainieren und den See besser einschätzen zu können. Die steil herabfallenden Felswände wirken bedrohlich, lassen aber ein Manövrieren beinahe bis auf Anschlag zu. Binnen kürzester Zeit unter Anleitung von Pascal und Heinz waren wir mit der Black Nessi vertraut segelten das erste DownWind Manöver. Die Bedingungen hätten besser nicht sein können, so hat die Black Nessi sogleich Ihre Stärken gezeigt. Unter Gennacker sind wir bei knapp 20 Knoten Wind an die 17 Knoten gesegelt. Wow! Am Heck sprudelte das Wasser nur so nach hinten raus, eine wahre Freude. Durch das intensive Testen fielen uns noch einige Kleinigkeiten auf, die wir sogleich reparieren oder austauschen konnten. Die Thermik am Urner See schwächt sich gegen Abend ab und so sind wir gegen 18:00 Uhr mit den letzten Windstössen Richtung Brunnen retour. Im Hafen angekommen stand zu unserer beider grossen Freude am Liegeplatz nebenan unser „Hotelschiff“, eine IMX 38. Komfortabler konnte es fast nicht sein. Beim gemeinsamen Abendessen haben wir die diversen Manöver durchgesprochen und auf die Ankunft von Andreas Hanakamp gewartet, der sich leider aufgrund einer Autopanne verspätete. Grundsätzlich war Pascal mit uns beiden zufrieden und wir sahen uns gut vorbereitet für den nächsten Regatta Tag.

Am Samstag, den 29. Juli trafen wir uns alle gemeinsam um 9:30 Uhr bei der Black Nessi. Matthias und ich kamen bereits gut gestärkt vom Frühstücksbuffet im Seehotel. Pascal überreichte uns die einheitliche Team-Kleidung und nach einigen Kontrollen und Handgriffen der Black Nessi war das Boot auslaufbereit und wir starteten voll motiviert auf den Urner See. Noch einige Probeschläge mit unserem neuen Steuermann Andreas am Ruder, ein paar taktische Abstimmungen und ab zur Startlinie. Der Uristier Cup ist eine hochkarätig besetzte Up and Down Regatta, bei der an zwei Tagen sechs Wettfahrten gesegelt werden. Gewertet wird nach dem Low-Point-System. Vorfreude und Aufregung mischten sich in einen Endorphincocktail. Nach dem 5 Minuten Startsignal segelte unser Steuermann souverän die Black Nessi durch das bunt gemischte Starterfeld. Wir kamen sehr gut zur Startlinie und starteten zum Startschuss in die erste Wettfahrt. Das Feld segelte dank der ca. 15 - 18 Knoten Wind zügig Richtung Luvtonne. Unsere Wendemanöver wurden besser und schneller und der Verkehr, besonders auch die schnelleren Quant 23 und 30 hielten uns ordentlich auf Trab. Den Rest des Regattafeldes konnten wir recht gut kontrollieren, kamen gut zur Tonne und dann unter Gennacker zügig retour. Einer unserer härteren Gegner war eine Longtze Premier, die gerade unter Downwind sehr schnell war. Noch auf Downwindkturs stimmten wir das Bergemanöver ab und rundeten die Leetonne recht geschickt. Nach einer knappen Stunde waren wir im Ziel und schnauften durch. Frei nach dem Motto: „Ohne Mampf kein Kampf“ gab’s eine kurze Stärkung und Getränkenachschub. Doch die Pause währte nur kurz, da gleich die nächste Startlinie gelegt wurde. 2, Wettfahrt, 3. Wettfahrt. Nachdem die Bedingungen sehr gut waren (laut Andreas die besten, konstantesten bedingen überhaupt, seit er auf dem Urner See regattiert) hängte die Wettfahrtleitung noch einen 4. Lauf an. Gleiches Prozedere - wir steigerten uns und mobilisierten sowohl Kräfte als auch Ehrgeiz. Nach der 4. Wettfahrt liess der Wind nach um dann kurz vor Brunnen komplett einzuschlafen. Wir klarierten das Boot und machten uns gemeinsam zum Yachtclub auf, bei dem ein geselliges Beisammensein war mit Bier und Gegrilltem. Wir hatten natürlich allerhand nachzusprechen und Optimierungspotential für den kommenden, zweiten Regattatag herauszukitzeln. Dann - die ersten Ergebnisse: 1. Wettfahrt Frühstart, 2 dritte Plätze und die letzte Wettfahrt gewonnen; also Tendenz klar steigend und die Crew besser aufeinander abgestimmt.

Sonntag, den 30. Juni war eigentlich weniger Wind vorhergesagt - nach dem Auslaufen temperten wir auch eine Zeit lang am Ostufer nahe der Felswand und genossen den Schatten. Einige kleinere Servicearbeiten konnten wir bei der Gelegenheit auch gleich mitmachen. Dann ging an die beiden letzten zwei Wettfahrten, die wir bei inzwischen wieder besten Bedingungen segeln konnten. Dieses Mal vermuteten wir bei der letzten Wettfahrt einen Frühstart – war aber zum Glück keiner. Andreas spielte seine taktische Expertise aus und so konnten wir die beiden letzten Wettfahrten recht gut abschliessen! Happy machten wir uns auf den Weg in Richtung Brunnen auf. Das Bier war mal mehr als nur wohlverdient und schmeckte ausgezeichnet. Erwartungsgemäss liess die Thermik nach und so sind wir den Rest unter Maschine gefahren. Retour in Brunnen haben wir das Boot verholt, die Segelgarderobe gewechselt und uns verabschiedet. Pascal, Heinz und Matthias gingen zur Preisverleihung - Andreas und ich machten uns wieder auf den Weg nach Österreich. Aus einer einer bunt gemischten Truppe war eine eingespielte Crew geworden. Als uns die Nachricht erreicht, dass wir heute beide Wettfahrten für uns entschieden haben war die Freude natürlich besonders gross - wir beendeten die Regatta am 2. Gesamtplatz und darauf sind wir durchaus stolz.

Wann immer sich die Gelegenheit wieder ergeben sollte, freue ich mich, Teil dieser Crew sein zu dürfen. Vielen Dank an die Crew, besonders an Heinz und Pascal.





Fotos:Frauenlob.ch / Nessi Team


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