Bol d'or / Das grösste Binnenrennen der Welt

Was für ein Moment: mit 500 Booten auf der Startlinie der Bol d’Or - der grössten Regatta auf einem Binnengewässer!

Und dabei erwischte unser Steuermann Pascal eine perfekte Position mit genügend Abstand zu den anderen Schiffen, um die schwachen 3 Knoten Wind einzufangen und BLACK NESSI um 10:00 Uhr fast haarscharf über die Startlinie zu bringen. Frei von anderen Schiffen konnten wir uns mit Gennaker gut vom Pulg der anderen Schiffe absetzen und uns trotz maximaler Konzentration kurz über den gelungenen Start freuen: vor uns nur ein Schiff und hinter uns die schier unzähligen. Natürlich wussten wir, dass dies nicht so bleiben konnte. Sobald die Katamarane auf ihrer Seeseite der Startlinie etwas Wind bekamen, überholte uns als erster der Ladycat mit Donna Bertarelli am Steuer inklusive einem Geleit zahlreicher Motorboote und Helikopter.

Wir konnten unsere gute Position in der Klasse der Einrümpfer behaupten, bis wir nahe der schweiz-/französichen Grenze von der ersten Flaute eingeholt wurden. Das westliche Ufer des Petit Lac entwickelte sich hingegen zur windstärkeren Seite und zahlreiche Schiffe waren da auf der Überholspur. Vor Nernier entwickelte sich auch bei uns wieder ein leichter Wind und wir segelten bei 6-8 Knoten Wind unter Code 0 aus dem Petit Lac wo wir bei stabilem Ostwind mit 5-10 Knoten Richtung Saint-Prex segelten mit der Devise Mitte See zu bleiben und zu beobachten auf welcher Seite sich der Wind besser entwickelte. Wir entschieden uns für den längeren Weg über Lausanne, wo wir bis auf die Höhe der Stadt gut voran kamen; besser schien uns als die meisten Schiffe auf der anderen Seeseite am steilen französischen Ufer.


Nicht auf halbem Weg zwischen Lausanne und der Wendemarke vor Le Bouveret neben der Rhonemündung stellte der Wind dann wie aus heiterem Himmel komplett ab. Uns blieb nichts anderes übrig als mit 0 bis selten mal 2 Knoten Fahrt durch den Feldstecher die Schiffe auf der französischen Seeseite zu beobachten, die von einem engen Windstreifen am Ufer profitierten. Ungeduldig warteten wir auf aufkommenden Wind und sehnten das angekündigte Gewitter, das sich offensichtlich über dem Rhonetal zusammenbraute schon fast herbei. Endlich da, trafen uns die Gewitterböen bei gerefftem Grosssegel mit bis zu 30 Knoten (Sturm) aus stark drehender Richtung. Das Gewitter verabschiedete sich mit heftigem Regen und liess uns in einer Flaute nahe der Wendemarke zurück. Diese rundeten wir beim Eindunkeln als 150. Schiff. Wie erwartet waren uns die meisten Jachten unserer Klasse dabei schon weit voraus! Deutlich missmutig nahmen wir die Verfolgungsjagd dem französischen Ufer entlang auf. Mal mit Gennaker, mal mit Fock, mal mit Code 0 kreuzten wir Richtung Genf. Abgesehen von einer weiteren Flaute auf der Höhe von Thonon-les-Bains kamen wir gut voran und erreichten bei Dämmerung Nernier.

Durch den Petit Lac ging’s mit schweren Augenlidern wiederum bei sehr schwachem Wind langsam aber stetig voran bis zur finalen Flaute gleich beim Ziel bei der Saucieté Nautique de Genève, das wir nach 22 Stunden und 36 Minuten als 95. erreichten! In unserer Klasse erreichten wir damit dank unserer kleinen Aufholjagd auf dem “Heimweg” immerhin noch den 95. Platz von 500.
Unser Fazit: Was für eine herrliche Regatta! Trotz aufwendiger Logistik, vielen Flauten, heftigem Gewitter, körperlichen Anstrengungen und, wohl am schwersten zu verdauen, offensichtlich ungenügender Taktik. Noch sagen Stimmen, diese Regatta segeln wir mit BLACK NESSI nicht noch einmal. Andere widerum vermuten, dass nach den verdauten Anstrengungen der Heimreise, die Lust auf diese schöne Regatta wieder Überhand nehmen könnte...








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